Halbes Spitzenspiel in Schleiz

In der letzten Saison war es zwischen Schleiz und Dresden-Mitte beide Male ins Schlußdoppel gegangen. Über den Sommer haben sich beide Teams verstärkt. Nun standen sie jeweils mit 6:0 Punkten an der Tabellenspitze auf Platz 1 und 2. Auf den ersten Blick also ein Rezept für eine enge Angelegenheit. Bei genauerer Analyse der Zutaten mußte man aber von einem Sieg für die gastgebenden Thüringer ausgehen, besonders bei Betrachtung der jeweiligen Verstärkungen. Zwar haben wir uns mit einem Dima verstärkt, von dem wir nun mittlerweile wissen, daß er eine gute Rolle in der Mitte spielen wird, und auch Erik ist mit von der Partie, was uns im Einzel etwas und vor allem im Doppel verbessert, aber die Schleizer können mit Neuzugang Laboutka aufwarten, der oben zu den guten Leuten zählt und den Abgang von Simpson mehr als kompensiert, während unten der junge Pole Malinowski natürlich auch eine ganz andere Hausnummer als Kittelmann darstellt.



Sollte also für uns was Zählbares rausspringen, müßte es schon recht optimal laufen. Und tatsächlich hielten wir die Partie die Hälfte der Zeit offen. Denn nach Umstellung im Doppel, die für Benno und mich die Opferrolle vorsah, konnten Carlos und Erik in drei engen Sätzen allerdings doch souverän gewinnen, und Dima und Udo zogen das Match gegen das starke Doppel 3.

In Führung hielten uns dann Carlos und Dima mit den erhofften wie knappen Erfolgen in jeweils fünf Sätzen gegen Laboutka bzw. Cerveny. Erwartbar und wenig schmerzend waren die Niederlagen von Benno und mir. Der Bruch folgte im unteren Paarkreuz. Udo hatte gegen Malinowski zwei Sätze Probleme beim Rückschlag und suchte auch noch den richtigen Winkel sowohl mit Vorhand als auch mit Rückhand, fand mithin nicht so recht ins Spiel. Der dritte Satz verlief ausgeglichen, jedoch eben auch mit dem besseren Ende für den Polen. Ein Einzel, das sonst vielleicht auch gut für uns hätte gebucht werden können. Das in jeder Hinsicht größte Malheur ereignete sich am Nachbartisch. Erik mußte gegen Plohmann im ersten Satz noch in die Verlängerung, nachdem er eigentlich schon halbwegs komfortabel geführt hatte. In Verlängerung verletzte er sich nun an der Schulter und konnte fortan praktisch keinen Vorhandtopspin mehr spielen. Dennoch gestalte sich der zweite Satz nochmals ausgeglichen, den sich Plohmann wiederum in der Verlängerung sichern konnte. Als Erik den dritten Satz deutlich gewann u.a. mit drei langsamen und behutsam ausgeschwungenen Vorhandspins, keimte noch mal Hoffnung auf. Am Ende war er nach Fehlstart im vierten Satz jedoch chancenlos. So stand es leider 4:5 gegen uns, und mehr sollte es auch nicht werden.


Es folgte als Leckerbissen wenigstens noch das Spitzeneinzel zwischen Hanl und Carlos mit spannendem und spekatulärem Verlauf. Hierbei holte Carlos den oder anderen Rückstand auf. Schließlich fehlte ihm im fünften Satz heuer auch ein wenig die Kraft und er verlor diesen mit 6:11 recht deutlich, nachdem er zuvor ein 0:5 noch einmal mit letztem Energieaufwand egalisieren konnte. Vorentscheidend war, daß Carlos bei 1:1 und 10:8 den dritten Satz nicht für sich nach Hause bringen konnte. Bis zum 18:16 für Hanl duellierte man sich noch auf höchstem Niveau. Einer der Bälle des Tages, was Bedeutung und Attraktivität anbelangt, wurde jedoch schon bei 10:9 gespielt. Hanl zog, Carlos blockte mit Anti, Hanl zog härter, Carlos blockte erneut. Dann umlief Hanl und legte volles Risiko gehend alles rein. Mit einer Wahnsinnsreaktion blockte Carlos ein drittes Mal. Dabei wurde sein Ball immer länger und länger und senkte sich in Hanls Vorhandecke. Diesen hätte kein Mensch mehr gezogen. Die allermeisten hätten auch schon Probleme, den aus guter Position halbwegs sicher auf den Tisch zu schupfen. Hanl gelang es aber, ihn quasi im Rückwärtsfallen noch zu retten. Es folgten noch ein paar Gegentopspins auf beiden Seiten, bis Hanl Carlos mit Kante unabsichtlich parallel ausplazierte. Insofern ausgleichende Gerechtigkeit, da Dima gegen Cerveny den Punkt zum 10:8 im dritten Satz geholt hatte, als er recht aussichtslos in Bedrängnis bereits buchstäblich mit dem Rücken zur Wand mit Schlägerkante gerade noch den Ball erreichte, der sich dann im hohen Bogen kurz hinterm Netz noch auf die Tischkante senkte. Benno lieferte nach mäßigem Auftakt noch ein gutes Match gegen Laboutka ab, Dima war mental nicht mehr frisch genug, um den starken Spalek noch gefährden zu können, und fokussierte lieber auf die sich nun niederschlagende Feuchtigkeit. Und ich mußte mir für den Schlußakkord zum wiederholten Male von Cerveny die Hosen ausziehen lassen. Nicht ganz so chancenlos wie beim letzten Mal, aber zur Not packt er als Rückschlag eben doch mal einen tödlichen Flip aus.


So, ab morgen können wir wieder in unserer Halle trainieren und uns auf die nächsten Aufgaben vorbereiten. Die kommen früh genug, wenn sich mit Schlotheim und Jenas Reserve weitere Thüringer Teams mit veränderter Formation vorstellen. Die Schlotheimer gleichsam am Samstag zu einer Art Verfolgerduell. Hoffentlich wird Erik bis dahin wieder fit. Sonst heißt es vielleicht in wenigen Wochen wieder Kellerduell in Gornsdorf.