Deutsche Mannschaftsmeisterschaften "Señores et Señoritas" in Simmern

Dresden-Mitte konnte Anfang Juni im Hunsrück zwei Teams ins Rennen schicken. Die Damen im
besten Alter in der Aufstellung Lilja, Rosita und Christa gingen als
Mitafavoritinnen an den Start der 60er-Konkurrenz. Zu ihrem Entsetzen wurden sie
auch gleich an eins gesetzt. Diesem Druck hielten sie allerdings bravourös
stand und spielten sich recht ungefährdet ins Finale. Dort ließen sie
schließlich den Vertreterinnen von Queidersbach nicht mal einen Satz, obschon
sich die Pfälzerinnen bei meiner Verabschiedung (hatte noch Nachwuchs bei den Großeltern im Thüringischen einzusammeln), als Rosita gerade das 2:0
besorgt hatte, noch kämpferisch zeigten.
Viel mehr beobachten konnte ich ihre Begegnungen nicht, weil die Vorrunden der
"jungen" Leute sowie am Sonntag die Plazierungsspiele um die Ränge 5 bis 8 auf
dem Friedhof der Stars in der zweiten Halle ausgetragen wurden.



Wir 40er und Träger des Y-Chromosoms waren das zweite Eisen im Feuer, jedoch
kein heißes. Wir blieben sogar unter den Möglichkeiten, denn wir hatten eher
Eisen. Dabei erwies sich die schon früher mal aufgestellte These als stimmig: Wenn Udo mit von der Partie, die Auslosung günstig und die Leistung gut ist, kann das Halbfinale
erreicht werden. Die ersten beiden Bedingungen waren erfüllt. Wir erwischten die
leichtere Gruppe A, während in der Gruppe B durch den bedauernswerten
kurzfristigen Ausfall der Hittfelder Schwalbe Bergneustadt als Nachrücker
zusammen mit Untertürkheim höhere Ambitionen für alle Teams aus
Normalsterblichen bestehend im Keim erstickte.
So hatten wir nur den BVB als unüberwindbares Hindernis drin und konnten uns
ansonsten mit den Saarländern aus Besseringen und den Bayern aus Straubing
ergebnisoffen messen.

Um die Wurst ging es gleich gegen die Saarländer, die mit Andreas Koch über
einen ebenso schnellen, wie spielstarken und trinkfesten Spitzenmann verfügten,
gegen den wir uns nicht viel ausrechneten. Wohl aber war der Rest des Teams
schlagbar, so daß es für einen knappen Sieg reichen könnte. Standesgemäß hieß
es nach den Auftakteinzeln 1:1 und bis 2:0 und 6:4 für Udo gegen Schramm sah
alles gut aus. Man kann behaupten, es folgten die entscheidenden Minuten des
Wochenendes. Udo vergab einen Matchball bei 10:9 und verliert noch in der
Verlängerung. "Maschine" Schramm kommt immer besser ins Spiel, während Udo
merklich mehr und mehr verkrampft ungewohnterweise. Dennoch erspielt er sich
auch im vierten noch einen Matchball, nur um wieder in der Verlängerung den
Kürzeren zu ziehen. Im Entscheidungssatz hatte er dann dem berauschten
Saarländer nichts mehr entgegenzusetzen. Nicht nur wurden die Weichen so in
Richtung Auftaktniederlage gestellt, vor allem hätte auch Udo vermutlich mit
einem Erfolg im ersten Einzel das weitere Turnier mit breiterer Brust
bestritten. Da wir anschließend im Doppel zu Tode geflippt wurden und Koch mir
in den meisten Belangen überlegen war, erreichten wir schnell mit 1:4 das Ende der Auftaktbegegnung.

Da war Udo noch auf der Siegerstraße und die Welt noch in Ordnung



Gegen Dortmund gelang uns kein Ehrenpunkt, da Francis gegen Weritz weder
favorisiert war noch überhaupt halbwegs ins Match kam in seinem ersten Einsatz.
Lichtblicke waren nur das Doppel Francis/Andriy, die noch zwei Sätze gewinnen
konnten und mein 11:9 im dritten Satz gegen Qi. Insofern befriedigend, weil ich
genau immer dann mit einem guten Schlag gegenhalten konnte, als er mal etwas
ernst machen wollte.

Die Ratlosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben

 

Wenigstens brachten Andriy und Francis Fadeevs Sidekick in Wallung und wehrten Matchbälle ab


Nun verloren aber parallel doch überraschend die Besseringer mit 2:4 gegen
Straubing, was lästigerweise etwas die Arithmetik in der Gruppe durcheinanderwürfelte, wollten wir doch eigentlich mit einem Sieg im abschließenden Gruppenspiel den dritten Platz klarmachen. So konnten wir diesen nur noch mit einem 4:1 oder 4:0 erreichen, was uns aber nicht mehr besonders realistisch erschien. Daher hatten
wir uns praktisch irgendwie doch schon mit dem letzten Gruppenplatz abgefunden
und überlegten, welche Aufstellung wir wählen sollten. Würde nun Francis heute
seinen zweiten Einsatz bekommen oder doch erst im Spiel um den siebten Platz,
auch wenn Letzteres den letzten Platz bedeuten könnte? Auch angesichts dessen,
daß wir nicht von vornherein zu Ungunsten Besseringens antreten wollten,
entschieden wir uns also doch für die sofortige Bündelung der Kräfte.
Und plötzlich schien der benötigte hohe Sieg auch tatsächlich möglich. Ich
brachte uns mit etwas Mühe mit 1:0 in Front, und Andriy besorgte gegen den
Straubinger Tschechen das 2:0. Der Tscheche in Favoritenrolle kam nicht recht in
Tritt, während Andriy zusätzlich für ihn unangenehm agierte mit einer Mischung
aus sicheren, aber etwas unkonventionellen Bällen und dem ein oder anderen
Kracher mit der Vorhand.
Udo markierte gegen Eckert, nun leidlich etwas besser im Turnier, das 3:0.
Erwähnenswert besonders Satz 1, in dem bei Eckert nach 8:0 komplett der Faden
verloren ging.
8:8! Nur bei 9:8 schien er ihn kurz wiedergefunden zu haben. Kurzzeitig keimte
sogar noch Hoffnung auf das Halbfinale auf, was wir bei einem 4:0 und
gleichzeitigem 0:4 der Besseringer gegen den BVB erreicht hätten. Doch Schramm
holte nach holprigem Start noch den Ehrenpunkt für die Saarländer.
Aber immerhin hatten wir nun noch die Chance, den dritten Platz klarzumachen,
zunächst im Doppel. Führten auch 1:0 und 6:3, ließen uns aber noch die Butter
vom Brot nehmen. Udo und ich spielten nicht gut, da wir zu viel über die
richtige Taktik nachdachten und dummerweise offensichtlich nicht mal die richtige fanden, welche
in diesem Moment zu unseren spielerischen Möglichkeiten gepaßt hätte. So konnte
uns die zudem sicher blockende Rechtslinkskombi von der Donau in den längeren
Ballwechseln meist beherrschen.
Anschließend hätte es mir potentiell gelingen können, gegen den Tschechen den
vierten Punkt einzufahren. Das beiderseitige Abspulen des taktischen
Standardrepertoires war jedoch für ihn von Vorteil, so daß er die ersten beiden
Sätze gleich mit schnellen Führungen im Rücken deutlich dominieren konnte. Der
dritte Satz verlief dann genau andersrum. Schließlich begegnete man sich auf
Augenhöhe, aber dreimal war die Länge nicht ganz richtig kalibriert beim
Gegenziehen, weswegen die Eins der Niederbayern in Vieren auf 2:3 verkürzen
konnte. Das besiegelte unseren letzten Platz in der Gruppe. Udo holte immerhin
den Siegpunkt in vier ganz engen Sätzen gegen Neudecker. Das wiederum verbannte
die Straubinger auf den dritten Platz und katapultierte die Saarländer ins
Halbfinale. Der Ausgang des bereits am Nebentisch begonnenen Matches - wir waren
an diesem Tage zeitlich die Allerletzten beider Hallen -Mindergasov-Eckert war
noch ziemlich offen bei leichten Vorteilen für Andriy.

Abends am See stärkten wir uns schließlich. Udo am grünen Tisch etwas unter Par rettete jedoch die Ehre auf der Tanzfläche. Er haderte dabei auch etwas mit der
Musikauswahl. Sicher hätte der Interpret es stellenweise geschickter machen
können, indem er zum Beispiel nicht so viel zwischendurch gelabert hätte. Ich
fand die Auswahl der Songs, auch wenn der Sänger sich dabei gelegentlich
stimmlich im Grenzbereich befand, jedenfalls noch ganz gut im Vergleich zu dem,
was man sonst für Gassenhauer auf Senioren- und teilweise auch
Aktivenveranstaltungen geboten bekommt. Zu laut war es wiederum allemal und
draußen zu schlechtes Wetter für lauschige Momente am See. Leider gab es an Wein
auch nur Riesling, aber den immerhin auf Besseringer Kosten. Mitnichten
schmeckte er schlecht, sorgt mit seiner Säure bei mir allerdings schnell für
Reflux. Über die Keramik in meinem Hotelzimmer, die über dem WC verkündete
"Carpe diem!" und "In vino veritas" hatte ich mich schon vorher amüsiert mir
ausmalend, was wohl jemand darauf blickend denken möge, wenn er sich vom
Entgiften nach zu viel Rebensaft gerade wieder aufrichtet. Nicht, daß es mir so
erging, doch stießen mir in der ersten Nacht das späte opulente Essen in
Kombination mit einem Erkältungshusten und in der zweiten Nacht der Riesling als
kleine Probleme auf.

Am Sonntag stand also jedenfalls das Spiel um Platz sieben auf dem Programm und wir
schonten mit Andriy im Prinzip unseren besten Mann, hatte er doch als einziger den
Spitzenspieler der Straubinger schlagen können, während man ihm die Niederlagen
gegen Koch oder Fadeev keineswegs ankreiden könnte. Ganz davon ab, daß er uns
alle in puncto körperlicher Fitness ohnehin überragt und dazu nicht mit einem
Miligramm Restalkohol zu kämpfen hatte.
Die Niederlage gegen die Fockbeker - habe noch gar nicht geguckt, ob es nun zu
Schleswig oder mehr zu Holstein gehört, ich vermute eher Holstein, ist aber auch
egal wegen "op ewig ungedeelt"... Die Niederlage jedenfalls geht in Ordnung,
auch wenn wir mit Andriy statt Francis höchstwahrscheinlich gewonnen hätten, da
es erstens dieses Zusammentreffen vor zwei Jahren bei unserer letzten Teilnahme schon mal so gab und das Antreten der Fockbeker damals nicht mehr in bester Besetzung unseren
damaligen Sieg zumindest begünstigte. Und zweitens hatten wir auch so eine gute
Chance, den letzten Platz abzuwenden. Leider war Udo auch am Sonntag noch
ungewohnt unsouverän. Normalerweise läßt er sich von einem in etwa gleichstarken
Gegner nicht 0:3 abkochen, insbesondere dann nicht, wenn er teilweise am
Satzende noch führt. Ganz entsetzlich lief auch das Doppel. Man dachte
eigentlich lange Zeit nicht, daß da noch was anbrennen könnte, aber bei den
Senioren wird doch ein anderer Sport geboten. Da muß man sich oftmals die Punkte
mühsam erarbeiten und kann vor allem keinen entscheidenden Routinevorteil ins
Feld führen. Dennoch könnte man schon, wenn nicht der Breitensportaspekt
dominiert hätte, damit hadern, daß Andritter-Witt bei 2:0 und 10:8 zwei
Aufschläge mit Netz returniert, auch wenn es keine tödlichen waren. Kann ja aber
auch einfach mal einer hängenbleiben. Anekdote noch zu Andritter-Witt. Dieser
Name sorgte für einen chaotisch ausgefüllten Spielberichtsbogen. Ich wunderte
mich zwar, warum mir Sportfreund Horn zuerst die Nummer 3 nannte, aber nach der
Ansage "an dritter Witt" trug ich brav Witt auf drei ein.
So blieb es bei zwei Punkten durch mich und einen Sieg von Udo bei drei Zählern
für uns. Francis machte zwar ein halbwegs ordentliches Spiel gegen die Eins und
ließ uns kurz hoffen im abschließenden Spiel (wieder das letzte Match in der
zweiten Halle), als er hier und da und nochmal eine Rückhand traf und sogar auch
 mindestens zwei Vorhände und Satz 1 mit wirklich guter Vorstellung gegen Walter
einfuhr. Dann beginnt jener gleich mit zwei Fehlaufschlägen, so daß man schon
auf einen veritablen Eisenarm spekuliert. Francis als fairer Sportsmann
revanchiert sich jedoch gleich mit einem eigenen Fehlaufschlag und muß dann
zusehen wie sich der folgende Zitterrückschlag noch zum 2:2 auf die Kante senkt.
Ab dann war kein Hauch von potentieller Verunsicherung beim Nordlicht mehr
zu bemerken, und Francis konnte auch in keiner Weise mehr an das Level vom
ersten Satz heranreichen.

Erwähnenswert noch der Titelgewinn von Leipzig-Süd bei den Senioren 70 und der gute zweite Platz der Schwarzenberger bei den 50ern. Etwas hinter den Erwartungen blieben die Hohndorfer zurück, die überraschend schon in der Gruppe ausschieden und am Ende Platz 5 belegten. Die jungen Damen aus Chemnitz konnten natürlich nicht an die früheren Erfolge der Colditzer anknüpfen und wurden ohne Sieg Letzte.

Bericht des Ausrichters, des Siebtplazierten und des TTVR.

Detaillierteste Ergebnisse hier.
 

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